Prof. Dr. Stefan Pfeffer

Fakultät Industrial Technologies Tuttlingen

Forschungsgebiete:

Multimodale Mensch-Maschine-Interaktionen

Usability und User Experience

Evaluation der Gestalt- und Gebrauchsqualität

 

Der medizinische Fortschritt, der in den vergangenen 30 Jahren in den OP-Saal Einzug gehalten hat, hat leider einen wichtigen Aspekt außer Acht gelassen: den Operateur. Im Gegensatz zu anderen Mensch-Maschine Systemen, wie bspw. dem PKW oder Flugzeugcockpit, lässt die ergonomische und menschzentrierte System-gestaltung im „OP-Cockpit“ noch auf sich warten. Dies liegt vor allem begründet in der hohen Komplexität, die sich aus einer sehr breiten Varianz ergibt. Einer Varianz aus Aufgaben, Indikationen, Patienten sowie Geräten und Instrumenten unterschiedlicher Hersteller. Was den Operateuren bleibt, ist sich anzupassen an die Gegebenheiten der Aufgaben und der Technik. „Fit the man to the machine“ war ein Grundsatz der zu Beginn des vergangenen Jahrhunderts gegolten hat und durch die menschzentrierte Gestaltung praktisch ausgestorben ist. In den meisten OPs jedoch nicht.

 

Durch die Arbeitsaufgabe gegeben, haben die Operateure lang andauernde statische Haltungsarbeit und Haltearbeit zu verrichten. Dadurch wird die Durchblutung im Muskel erschwert und der Muskelstoffwechsel behindert. Bei häufigerer Wiederholung kommt es zu Abnutzungserscheinungen in Gelenken, Bändern und Sehnen. Die Dosis aus Belastungshöhe und Belastungsdauer für die Operateure ist zu groß. Dies konnten wir auch bereits – neben vielen anderen – in Forschungsarbeiten nachweisen [Pfeffer et al. 2013]. Trotz vieler Innovationen im Bereich der Medizingerätetechnik, wie bspw. rotierbare Instrumentengriffe oder die roboter-assistierte Chirurgie, ist das Belastungsproblem aktuell nicht zufriedenstellend gelöst. Weiterhin wurden bereits Projekte durchgeführt, welche auf die Schulung der Chirurgen hinsichtlich ergonomischer Aspekte abzielen, wie bspw. das EU-Projekt „Train4Orthomis“ [train4orthomis.eu], bei dem ein umfangreiches Online-Kursangebot aufgebaut und zur freien Verfügung in England, Spanien, Polen und Deutschland gestellt wurde. Trotz sehr guter Aufbereitung des Themas scheitern diese Art von „Aufklärungsversuche“ leider an der Wahrnehmung durch die Betroffenen und letztenendes an der Umsetzung im Arbeitsalltag der Chirurgen, wie bereits früher gezeigt wurde [Modi et al. 2014].

 

Die Optimierung der Belastungssituation muss beim Menschen ansetzen. Auftretende Belastungen, die sich aus der Arbeitsaufgabe ergeben, müssen abgefangen werden, damit die Beanspruchung der Operateure reduziert werden kann. Dabei darf die Aufgabenerledigung der Operateure in keinster Weise beeinträchtigt werden. Mit anderen Worten: eine solche Lösung muss so einfach sein, dass sie intuitiv den Operateur unterstützt und gleichzeitig so komplex und flexibel, um auf die große Varianz an Aufgaben und auch Benutzern zu reagieren. Das Produktkonzept „Surgical System S3“ der Hellstern Medical GmbH zeigt großes Potential eben diese seit langem bestehende Lücke im OP zu schließen und die Arbeit für die Operateure durch die Reduzierung der statischen Haltungsarbeit zu reduzieren und die Ergonomie im „OP Cockpit“ zu verbessern.                                   

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